Dienstag, 22. Februar 2011

Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg: politischer Fall durch Promotion?


Vor einigen Monaten habe ich auf meinem Webblog „Klartext“ Hans Ulrich Jörges vehement widersprochen, als er viel zu früh den Freiherrn zur Kanzleralternative hoch schreiben wollte. Damals war er gerade wenige Wochen Wirtschaftsminister. Mein Tenor: Er müsse sich noch bewähren und habe noch viele Chancen Fehler zu machen. Die hat er schon als Verteidigungsminister gemacht.

Übereinstimmung bestand darin, das Guttenberg ein beachtliches politisches Talent sei.

Natürlich steht Jörges jetzt auf der Seite der Moral.

Aber dass es so dick kommt, habe ich nicht vermutet.

Die Frage ist doch, was sagt es über den Charakter eines Politikers aus, wenn er bei seiner Doktor-Arbeit massiv abgeschrieben oder ohne Kennzeichnung Textpassagen wörtlich oder fast wörtlich übernommen hat. Übrigens geschieht Nicht-Zitieren immer vorsätzlich: Ein gestörtes Verhältnis zur Ehrlichkeit, ein gestörtes Verhältnis zu den Rechten anderer (Autoren) und nicht zuletzt eine ausgeprägte Dreistigkeit werden mehr als deutlich erkennbar.

Welche dieser Qualitäten sind für Politiker wichtig? gerade diese ?

Warum begegnet ihm noch eine erhebliche Toleranz.? Übrigens auch gegenüber seinen unglaubwürdigen öffentlichen Erklärungen zu seiner Dissertation.

Einmal gibt es eine gezielte Kampagne seiner Parteigänger, die des Freiherrn Schwächen verniedlichen und beschönigen möchten. Ein schönes Beispiel für diese Strategie lieferte die Europaabgeordnete Hohlmeier bei Anne Will. Zum anderen will man seinen Star nicht verlieren, der allerdings seinen Aufstieg einer besonderen Glaubwürdigkeitsstrategie verdankt.

Aber : Wo stehen die Bürger?

Neben vielen Ehrlichen und Fast-Ehrlichen waren sie auch Schüler, die geschummelt haben, z.T. auch mit Referaten, die sie aus dem Internet herunter geladen haben, sie sind Fahrerflüchtige, Steuer- und Versicherungsbetrüger; viele schwarze Schaafe im Handel, in Werkstätten und sonstigen Geschäftsleben, sind überhaupt überall Menschen, die in der Praxis Fünfe gerade sein lassen wollen oder müssen .

Überall profiliert man sich, redet Dinge schön, lügt aus Gewinnstreben oder arbeitet einfach mit Notlügen. Unvermeidliche Gewohnheiten.

Aber: Freiherr zu Guttenberg hat ein wichtiges öffentliches Amt inne. Das macht den Unterschied. Er wird zurücktreten müssen. Was wäre es für ein übles Beispiel für diese Gesellschaft, wenn er es nicht täte. Offiziell muss die Moral aufrechterhalten werden.

Wie es scheint, will er aber nicht. Das Aussitzen dieses Skandals sollte man ihm nicht durchgehen lassen. Da hilft es auch nicht, auf einen Doktortitel, den man sich erschlichen hat, zu verzichten ,und dies knapp bevor er von der Universität Bayreuth aberkannt wird.

Die Universität Bayreuth hat hoffentlich einen guten Ruf zu verlieren.