Die Diskussion über den Antrag des Landesvorstands zur Euro-Krise war total von der Führung gesteuert, überwiegend war Führungspersonal beteiligt, die Europa-Orientierung der CSU wurde deutlich unterstrichen. Am deutlichsten von Rednern aus dem Europa-Parlament. Wirkliche EU-und Euroskeptiker standen jedenfalls in der Berichterstattung von Phönix deutlich am Rande, ausgenommen Peter Gauweiler. Alle wurden durch die Formelkompromisse des Vorstandsantrags diszipliniert.
Phönix steuerte am Morgen des 8.10.2011 vor der Wahl des Vorsitzenden und der Stellvertreter, durch die merkwürdige Befragung von Delegierten und das Einspielen eines Ramsauer-Interviews auf leichtem Manipulationskurs.
Merkwürdig, dass die für die Kampfkandidatur Ramsauer gegen Gauweiler entscheidende Verfahrensdebatte auf unserem Dokumentationskanal nicht übertragen wurde. Eine Einzelwahl der Stellvertreter setzte natürlich die Hürde für Gauweiler erheblich höher als es eine gemeinsame Wahl aller Stellvertreter getan hätte. Die getroffene Wahl des Abstimmungsverfahrens war Minderheiten- und Außenseiter-unfreundlich.
Bei der verhinderten gemeinsamen Wahl aller vier Stellvertreter in einem Wahlgang wäre Gauweiler garantiert gewählt worden. So aber verlor Gauweiler in der Einzelabstimmung gegen Ramsauer denkbar knapp mit 419:440 Stimmen. Bei den übrigen Stellvertretern gab es z.T. schlechte Wahlergebnisse, besonders für die bayrische Justizministerin.
Die Rede Seehofers war extrem unkritisch, ein Beipiel der Umgang mit der Bayrischen Landesbank und der HypoAlpeAdria. Es war ein Leistungsbericht des Regierungschefs und seiner Mannschaft, weniger aber des Parteivorsitzenden , soweit dies überhaupt zu trennen war. Nun muss man schon sagen, dass er politisch einschließlich der Arbeit seiner Vorgänger auch etwas vorzuweisen hatte. Spannend war eigentlich nur, wie er mit der SPD und ihrem neuen Spitzenkandidaten Christian Uhde umgehen würde. Zu beachten war, wen er in welcher Form loben würde. Es waren viele, er ließ kaum einen aus und hinterliess glückliche Gelobte.
Natürlich bemühte sich wieder ein Phönix-Journalist vor Ort nach der Wahl Seehofers aus Delegierten herauszufragen, ob nicht die knappe Unterschreitung der Neunziger-Marke mit 89,9 Prozent doch ein Stück weit das Reißen einer Hürde gewesen sei.
Interpretationsbedürftig, dass dreißig Delegierte, wenn ich das richtig gehört habe, an der Wahl nicht teilnahmen.
Zur Rede der Kanzlerin:
Sie strengte sich sichtbar an, musste jedoch die Delegierten förmlich zu einem ersten Beifall auffordern. Atmosphäre von erheblicher Distanz geprägt. Ordentlicher Pflichtbeifall.
