Donnerstag, 26. Januar 2012

Giovanni di Lorenzo und Karl Theodor Freiherr zu Guttenberg


Giovanni di Lorenzo macht Ende 2011 ein Gesprächsbuch mit dem Freiherrn, der auch damit sehr früh nach seinem unrühmlichen Scheitern durch die Plagiatsaffäre seine Rückkehr in die Politik inszenieren wollte.

In der Zeit 48/11 erschienen pünktlich zum Erscheinen des Buches Interviewausschnitte in der Druckausgabe als Frontaufmacher, denen weitere vier Seiten in der Zeitung folgen.

In der darauf folgenden Ausgabe 49/11 rechtfertigte der Chefredakteur der Zeit nach heftigen Reaktionen in den Medien dieses Interview in einem Artikel mit der Überschrift „Warum dieses Interview?“

Nunmehr hat Giovanni di Lorenzo in der letzten Talkrunde bei Günter Jauch medienwirksam auf die Einnahmen aus dem Buch-Geschäft verzichtet und angekündigt sie zu spenden, nachdem Guttenberg sein Comeback abgeblasen hatte.

Die taz weist am 29.11. 2011 noch recht zurückhaltend auf die Vorgeschichte hin: Giovanni di Lorenzo hatte im Februar 2011 in einem Leitartikel auf der ersten Seite sich entschieden auf die Seite Guttenbergs gestellt und die Position vertreten, er könne trotz seines Plagiats Minister bleiben.

Ich hatte damals nach Lektüre des Artikels beim gut organisierten „Tag der offenen Tür“ der Zeit in Hamburg am 26.2.2011 den Eindruck: Hier hat sich jemand unglaublich moralisch-politisch verstiegen. Das darf in dieser Funktion eigentlich nicht passieren.


Di Lorenzo ist , wie das Buch zeigt, „seinem Mann“ nicht nur treu geblieben, sondern betreibt auch noch aktiv seinen Wiederaufstieg, was belegt, dass er nach wie vor Guttenbergs Plagiate und seinen Umgang mit ihnen für politisch-moralisch wenig gewichtig hält.

Bei di Lorenzos Position scheint eine Rücktrittsforderung an Wulff kaum mehr vertretbar. Die Maßstäbe haben sich verschoben.

Übrigens hätte die Lorenzo gewarnt sein müssen durch seinen Kollegen Jörges, der kritisch begleitet durch meine Webblogs, über Wochen und Monate bemüht war, zu Guttenberg zum Kanzleranwärter und Konkurrenten der Kanzlerin hochzuschreiben und „hochzutalken“, der aber in der Plagiatsaffäre dann doch politisches Gespür gezeigt hatte.