Die SPD füllte in Vilshofen zum ersten Mal ein Bierzelt mit 3500 Teilnehmern. Sie wollte und hat sich Mobilisierungsfähig erwiesen. Die Umfragewerte sind moderat verbessert. Mit Christian Ude als Herausforderer sollte Aufbruchstimmung vermittelt werden.
Als bester Aschermittwochredner am heutigen Tage erwies sich Sigmar Gabriel. Seine Rede hatte die am Aschermittwoch in Niederbayern zu erwartende Mischung aus Volkstümlichkeit, Zuspitzung, bissigem Humor und politischem Zugriff bei den wichtigen Themen.
Gabriel arbeitete Konturen heraus: Die Kanzlerin und die Koalition seien für eine Marktkonforme Demokratie, die SPD für Demokratiekonforme Märkte.
Sigmar Gabriel griff die Koalition wegen ihres „Koalitionsgeschachers“ in der Nachfolgefrage für den Bundespräsidenten an.
In der Griechenland-Politik dürfe man nicht immer nur die Kleinen Leute zur Kasse bitten, sondern die Steuerflüchtigen Griechen seien zu erfassen und zum Steuerzahlen zu veranlassen. Außerdem solle man die griechischen Rüstungsausgaben drastisch kürzen, auch wenn Frankreich und andere dabei Aufträge verlören.
Mindestlohn, Leiharbeit, besonders aber der „schwarze Filz“ in Bayern nach 55jähriger ununterbrochener CSU-Regierung sei wie der “schwarze Filz“ in Berlin ein echter Grund für einen Wechsel auf beiden Ebenen. Ramsauer und Niebel bekamen dabei besonders ihr Fett weg.
Der Wechsel in Bayern sei überfällig, die SPD werde alles tun, um ihn herbeiführen.
Christian Udes zentrales Thema war wie nicht anders zu erwarten der Regierungswechsel in Bayern nach 55 Jahren CSU-Herrschaft und Parteibuchpolitik.
Das Landesbank-Desaster und die Fehlleistung bei den Bayernwerken zeigten, dass es auch in Bayern klare Alternativen gäbe, auch wenn Bayern gut dastünde. Die Sparkassen und Stadtwerke hätten ganz im Gegensatz zur Landesbank und der bayrischen Regierung in der Finanzkrise bzw. der Energiewende Erfolge zu verzeichnen.
Die überall in Bayern anzutreffende Arroganz der Macht müsse ein Ende haben.
Ude redete für einen Bierzeltredner etwas zu langsam, wenn er dadurch inhaltlich auch gut verständlich war. Hier gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten. Der Wahlkampf wird ja auch noch lang sein.
Ude blieb fair und eher sogar etwas zurückhaltend mit seiner Kritik. Er konnte sich das leisten, weil Gabriel die Abteilung Attacke übernommen hatte.