Die Strategie der CSU: zwei bayrische Staatsmänner mit der Leistungsbilanz von 55 Jahren ununterbrochener Regierung in Bayern gegen die zu erwartenden Attacken der Oppositionsparteien, besonders der SPD in Vilshofen. Klares Bekenntnis zu Europa und der Euro-Rettungspolitik, demnach kein strategischer Spagat in der Europa-Politik mehr.
Wie auch in seinen Parteitagsreden unterbreitete Horst Seehofer in staatsmännisch ruhigem Ton eine umfassende Leistungsbilanz: den ausgeglichenen Haushalt, die geringste Arbeitslosenquote und die beste Beschäftigungsrate, Bayern-Bildungsland Nr.1, die Angleichung der Lebensverhältnisse in Bayern nach dem Motto “Stadt und Land, Hand in Hand“, die Sicherheit in Bayern, die Integrationspolitik.
Bayern ginge es noch nie so gut, sogar besser als vor der Banken-und Finanzkrise.
Die Vision: Schuldenabbau bis 2030, auch durch Reduzierung des Beitrags zum Länderfinanzausgleich. Weiterhin Investitionen in die Zukunft. Wer die Zukunft sehen will, muss nach Bayern kommen.
Horst Seehofer hat wie auf den Parteitagen seine Minister gebührend herausgestrichen, besonders und an erster Stelle diesmal seinen neuen Finanzminister Markus Söder, der nur noch in Veitshöchheim einen Rückfall in seine Jugend gehabt habe-dort trat er martialisch mit Irokesen-Haarschnitt auf.
Die Breite des Personalangebots der CSU sollte herausgestellt werden.
Die Rede enthielt keine Selbstkritik. Fehlleistungen wurden ausgespart wie etwa das Desaster der Bayrischen Landesbank in der Finanzkrise und dazu noch das mit der HypoAlpeAdria.
Edmund Stoiber übernahm nicht den Part der Auseinandersetzung mit der Konkurrenz, sondern beschäftigte sich ebenfalls mit der Zukunft. Der Aschermittwoch in Niederbayern sei keine Fortsetzung des Karnevals oder Folklore, sondern hier ginge es um die Zukunft.
Am wenigsten Beifall gab es für die Verteidigung des Vorschlags Gauck nach dem Motto „man könne auch mit dem zweiten Aufschlag ein Ass servieren“, die Erklärung, die CSU sei die Partei der deutschen Einheit, oder mit der These, Europa sei unsere Zukunft.
Er bestätigte Horst Seehofers Leistungsbilanz, indem er nach Roland Berger die drei Gründe aufführte, warum Bayern in Deutschland und Europa führend sei: die bessere Leistungskultur, die bessere politische Leistung einschließlich Schuldenabbau, und die bessere, auch regional ausgelegte Modernisierungs- und Industriepolitik.
Die Europapolitik griff er sogar offensiv auf, indem er die Führungsaufgabe Deutschlands in Europa als neu und notwendig herausstrich. Für Griechenland sei ein Marshallplan nötig. Die Folgen eines Austritts Griechenlands aus dem Euro müssten bedacht und gegebenenfalls abgepuffert werden. Die Märkte verteidigte er eher. Dass Deutschland bereits die Schulden der anderen übernimmt, wurde ausgespart..
Schlusstenor: Bayern nimmt Schaden ohne die CSU, die CSU schafft es mit ihrer legendären Geschlossenheit.
Sigmar Gabriel hatte in Vilshofen Unrecht mit der Erwartung, Stoiber würde sicherlich wieder seine bekannten sprachlichen Ausrutscher liefern. Nein, er hat sich rhetorisch verbessert. Mit der Distanz und ohne die Notwendigkeit der holzschnittartigen Attacke gelangen ihm einige gute Formulierungen. Seine Freunde werden nach dieser Rede sagen, der Mann hätte bis heute Ministerpräsident bleiben können.
Alexander Dobrindt hatte sich über die gleichzeitig in Vilshofen ablaufenden Reden von Gabriel und Ude geärgert und vergriff sich bei seiner anschließenden Bemühung, etwas Attacke nachzuliefern, glatt im Ton. Den Vorwurf aus Vilshofen, er solle ins Dschungelcamp gehen, konterte er: Wenn ich mich mit Ameisen und Würmern abgeben will, gehe ich zu den Sozis und nicht ins Dschungelcamp. Etwas freundlicher schon die Bemerkung, Ude sei ein "Gauckler". Seine Ausführungen zur Nominierung Gaucks hatten ihm nicht gefallen.